Gründungsgeschichte

Das Feuerlöschwesen vor der Vereinsgründung

Die Gemeinde Rauenberg zählte zum Zeitpunkt der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr 1.724 Einwohner. Als Bürgermeister amtierte Landwirt Ferdinand Stier l. seit seiner Wahl vom 27.07.1919. An beschließenden Organen bestanden der Gemeinderat (6 Mitglieder) sowie ein Bürgerausschuss mit 43 Gemeindeverordneten. Vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr hatte die Gemeinde Einzelheiten des Löschwesens in einer Feuerlöschordnung geregelt. Hier waren Einwohner namentlich dazu bestellt, im Brandfalle bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Die Aufgabenbereiche waren zuletzt im Jahre 1922 beispielsweise wie folgt gegliedert:

Spritzenmannschaft            zum Bedienen der Spritze

Wassermannschaft             zum Herbeischaffen des Wassers

Rettungsmannschaft          zur Rettung von Menschen und Gegenständen

Wachmannschaft                 zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Bewachen

In der Feuerlöschordnung war auch das Verhalten bei auswärtigen Bränden sowie die Alarmierung und die Verpflichtung der Pferdehalter im Brandfalle geregelt: „Bei einem auswärtigen Brand haben Mitglieder der Löschmannschaft dahier abzugehen und zwar mit dem Feuereimer„. Die folgenden Alarmierungsmöglichkeiten wurden für einen Brand innerhalb der Gemeinde festgelegt: Läuten der Glocken in kleinen Absätzen (Sturmläuten), Ausschellen durch den Ortsdiener, Ausrufen „Feuer“. Bei einem Brande hatten sämtliche Pferdebesitzer Wasser zur Brandstätte zu fahren. Verpflichtungen der Pferdehalter bestanden auch bei Bränden in anderen Gemeinden.In dieser Festschrift wird lediglich ein geschichtlicher Abriss ab dem Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr 1925 gegeben.

Rauenberg im Jahre 1925

Vom Gründungsjahr bis in die jüngste Vergangenheit

Übersetzung des Gründungsprotokolls:

Nachdem am 5.April 1925 auf Veranlassung des Bezirksbrandinspektors Zutavern im Gasthaus „Zur Linde“ unter Leitung des Herrn Bürgermeisters Stier eine Versammlung stattgefunden hat, beschloss dieselbe, dass in Rauenberg eine Freiwillige Feuerwehr gegründet werden soll – aufgrund dieses Beschlusses ist nun im Monat Juni 1925 in Rauenberg ein Verein ins Leben getreten, der sich lt. Satzung nennt: Freiwillige Feuerwehr Rauenberg (e.V.) Der Verein ist ein in sich geschlossenes selbständiges Korps, das den Zweck hat, durch tätige Hilfeleistung bei Feuer, Wasser, und öffentlichen Notständen Leben und Gut der Bedrängten nach Möglichkeit zu schützen und zu retten. Alles Nähere besagen die Satzungen. Die Beschaffung der Ausrüstungsstücke etc. war nur möglich, indem die Gemeinde Rauenberg das Geld vorlegte und es sollte, soweit wie möglich, diese Ausleihe durch den Landesfeuerwehrverband, sowie durch freiwillige Gaben rückvergütet werden. Gleich nach Eintreffen der Ausrüstungsstücke wurde unter Leitung des z.Zt. bestimmten vorläufigen Kommandanten, Herrn Zimmermann Lorenz Knörr, mit den Übungen begonnen und die Mannschaft legte Eifer, Lust und Liebe zur Sache an den Tag. Nach kurzem Bestehen konnte die Feuerwehr am 28./29. Juli 1925 bei einem Brand (Schopfen des Maurers Michael Stier, Rotenberger Straße) die Probe dafür ablegen, dass etwas gelernt worden war, indem das Feuer in kurzer Zeit abgelöscht war. Das Kommando erhielt dafür eine Anerkennung von dem Herrn Landrat Naumann, Wiesloch. Nachdem Herr Bürgermeister Stier, der sich von Anfang an für die Gründung einer Feuerwehr warm einsetzte und alles förderte was der Feuerwehr nötig war, mit dem Verwalter Herrn Horberth Rücksprache genommen hatte, stellte letzterer im Einverständnis mit der Firma Landfried die zwei Spritzen sowie die Hydranten, für Übungszwecke sowie für den Ernstfall zur Verfügung. Er (Horberth) erklärte ferner, ein großes Interesse an der Feuerwehr zu haben und sie in jeder Hinsicht zu unterstützen. Auf diese Erklärung hin forderte der 1. Kommandant Herr Knörr im Einverständnis mit dem Verwaltungsrat den Herrn Verwalter Horberth auf, den Posten eines Ehrenkommandanten bei der Freiwilligen Feuerwehr anzunehmen, welchen derselbe dann auch nach anfänglichem Sträuben annahm.

Entsprechend der Vereinssatzung, die an jenem 05.4.1925 beschlossen worden war, wurde die Freiwillige Feuerwehr Rauenberg eingerichtet. Die Mitgliederzahl pendelte sich bei etwa 40 Wehrmännern ein. Um für mögliche Brandeinsätze gut vorbereitet zu sein, mussten diese natürlich eifrig üben, teilweise unter der fachmännischen Begutachtung der „Korpsabordnungen“ aus den Nachbargemeinden. So berichtete der zeitgenössische Chronist über die Jahresabschluss-Übung im Oktober 1925:

„Rauenberg, 15. Okt. Freiw. Feuerwehr. Am vergangenen Sonntag hielt die im Frühjahr dieses Jahres neu gegründete ihre erste Schlußübung ab. Die Übung zeigte, daß sich die ganze Mannschaft die größte Mühe gab, den Anforderungen, die man an die Feuerwehr stellte, gerecht zu werden, was auch von Herrn Bezirksfeuerlöschinspektor Zutavern-Wiesloch, vollauf anerkannt wurde. Zu der Uebung waren die Koprs von Wiesloch, Dielheim und Mühlhausen, sowie eine Abordnung von Neckargemünd erschienen und hörte man allgemein Anerkennung über die gebotenen Leistungen der jungen Wehr. Möge der gute Geist in dem neuen Korps bestehen bleiben und solches jeder Zeit seine Pflicht erfüllen“.

Freiwillige Feuerwehr Rauenberg im Jahre 1936. Stehend (von links nach rechts): Franz Laier, Alfred Lutz, Franz Kaucher, Fritz Sautner, Rudolf Stier, Adolf Sautner, Donat Laier, Albin Stier, Otmar Bergmeier, Heinrich Stier Sitzend (von links nach rechts): Jakob Greulich, Ludwig Thome, Hermann Laier, Bürgermeister Theobald Greulich, Julius Hager, Fritz Spannagel, Josef Fischer, Martin Sautner

Die Zahl der Wehrmänner ging in den Folgejahren zurück. Die Gemeindeverwaltung berichtete am 18.5.1938 dem Bezirksamt Heidelberg, dass im Benehmen mit dem Wehrführer versucht wird, die Wehr auf 30 Mann zu bringen. Gleichzeitig erfolgte der Hinweis, dass mit Rücksicht auf den Hagelschlag vom Jahre 1936, die Missernte 1937, sowie die Frostschäden 1938 die Anschaffung einer neuen Feuerspritze und einer tragbaren Schiebeleiter zurückgestellt werden müssen. 1939 wurde Martin Wendelin Sautner zum kommissarischen Führer der Wehr ernannt. Ein Jahr später wurde er als Kommandant vereidigt. Am 5.9.1939, nur wenige Tage nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges, hatten der Bürgermeister und der Wehrführer bereits eine Einteilungsliste für die Nachtwache der Freiwilligen Feuerwehr in Rauenberg aufgestellt. Die Nachtwache nahmen jeweils zwei Wehrmänner für einen Zeitraum von 3 Stunden wahr. Die Nachtwache erstreckte sich auf den Zeitraum von 10 Uhr abends bis 4 Uhr morgens des nächsten Tages.

Am 30.12.1939 hat das Amtsgericht Wiesloch die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr Rauenberg als Verein im Vereinsregister beurkundet. Im Juni 1942 hat die Gemeinde Zwangsverpflichtungen von Bürgern zur Verstärkung des Feuerschutzes vorgenommen. Diese kriegsbestimmte Verpflichtung erstreckte sich auf 15 Personen. Widerstände in Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Rauenberg gab es anscheinend im Jahre 1944. Der stellvertretende Kreisfeuerwehrführer berichtete an das Bürgermeisteramt am 30.8.1944:„Nachdem die Besichtigung der Freiwilligen Feuerwehr am 26.8.1944 wegen großer Interessenlosigkeit der Mannschaft nicht stattfinden konnte, ersuche ich hiermit das Bürgermeisteramt, sämtliche noch der aktiven Feuerwehr angehörenden, sowie die seither zur Feuerwehr Notdienst verpflichteten Mannschaften, auf Samstag, den 2. September abends 7 Uhr zu einer Besichtigung schriftlich einzuladen. Über das Ergebnis dieser Besichtigung ergeben die Unterlagen keine Aussage. In den Jahren nach dem Kriege war das Interesse der Bürger am Feuerwehrdienst sehr gering. Bürgermeister Hermann Laier erstattete am 20.9.1948 an den Herrn Landrat einen umfassenden Situationsbericht. Ein halbes Jahr später meldete der Bürgermeister erneut dem Landrat, dass im Allgemeinen eine starke Abneigung über die Zugehörigkeit zur Feuerwehr festzustellen sei. Aber nicht nur persönliche Schwierigkeiten traten zutage, auch die Bereitstellung von Treibstoff für die Motorspritze bereitete Probleme.

Im Juli 1953 wurde Ludwig Thomé zum neuen Kommandanten gewählt. Ein neues Zeitalter brach für die Freiwillige Feuerwehr an, als die Gemeinde mit der Verlegung der ersten Wasserleitungsrohre begann. Durch Wassermeister Schritz aus Malsch wurden 1955 die Feuerwehrmänner insbesondere mit der Bedienung der Hydranten vertraut gemacht.

1957 hat die Gemeinde Rauenberg eine Feuerwehrsatzung erlassen. Hiernach bestand die Feuerwehr aus:

a)            dem Löschzug

b)            dem Spielmannszug

c)             dem Musikzug

d)            den Angehörigen der Altersabteilung

Die Statuten beinhalteten Regelungen über die Stellung des Feuerwehrkommandanten und dessen Stellvertreter, die Unterführer, Schriftführer, Kassenführer, Gerätewarte, den Feuerwehrausschuss und die Hauptversammlung. Bei Leistungswettkämpfen der Freiwilligen Feuerwehren wurde im September 1965 das bronzene Leistungsabzeichen erreicht.

Kommandant Eisenlohr mit seiner Mannschaft und dem TSA
Wasserentnahme aus einem Hydranten unter fachkundiger Aufsicht

Übungsbetrieb

Schon kurz nach der Vereinsgründung, nämlich im Juli 1925, hat die Freiwillige Feuerwehr mit dem Verein für Bewegungsspiele (VfB) Rauenberg einen Vertrag über die Nutzung des VfB-Sportplatzes für „Exerzierübungen“ abgeschlossen. Der Sportplatz befand sich im Bereich zwischen der heutigen Talstraße, der Pfarrgartenstraße und der Straße „Im Brühl“. Im Oktober 1925 wurde die erste Schlussübung innerhalb des Anwesens der Ziegelei Gebr. Bott abgehalten. 1926 fanden zwei Übungen statt, einmal am neuen Steigerturm beim Schulhaus und einmal im Anwesen der Zigarrenfabrik Landfried (ehemaliges fürstbischöfliches Schloss). Erstmals ist auch von einer Beteiligung der Freiwilligen Sanitätskolonne die Rede. Die Schlussprobe, sie fand am 6.11.1927, einem Sonntag, nachmittags 3 Uhr statt, hat der Schriftführer festgehalten: „Mit Trommel und Pfeife zog die Feuerwehr nach der Klostermühle (jetziges Anwesen Vogel, Landfriedstraße). Nach der Probe zurück zum Vereinslokal Linde.“ 1934 hatte die Vereinsführung Ordnungsmaßnahmen wegen Fehlens an Übungen getroffen. Wehrmänner mussten für einmal Fehlen 20 Pfennig und bei zweimal Fehlen 50 Pfennig bezahlen, bei dreimal Fehlen erfolgte ein Ausschluss aus der Wehr. 1935 war erstmals eine Übung mit neuen Schlauchkupplungen. Die Nachkriegsverhältnisse spiegelten sich auch in der Übungsbereitschaft wider. Die Verantwortlichen hatten Schwierigkeiten, Wehrmänner zu finden. So ergaben sich z.B. 1947 und 1948 Beschwerden der überörtlichen Organisationen, weil die Wehr Rauenberg bei einer Unterkreisübung in Rotenberg überhaupt nicht vertreten war.

Die Feuerwehrgebäude

Unterkunft beim Rathaus:

Ihr erstes Domizil hatte die Freiwillige Feuerwehr Rauenberg im Gebäude mit dem Wachlokal auf dem Grundstück des Rathauses (jetzt Ärztehaus/Apotheke, Ecke Wieslocher Straße/Hauptstraße). Im Jahre 1947 hatte das Gebäude einen äußerst desolaten Zustand. Bürgermeister Laier schrieb am 10.6.1947 an den Herrn Landrat in Heidelberg unter anderem: „Im hiesigen Wachlokal ist die Arrestzelle, ein Raum zum Aushauen des Freibankfleisches, ein Raum zum Unterstellen der Feuerwehr-Motorspritze und der üblichen Feuerwehrgeräte und ein Raum zum Unterstellen des Leichenwagens untergebracht. Bei Regenwetter sehen wir uns nun der traurigen Tatsache ausgesetzt, dass alle diese Räume unter Wasser stehen und dadurch Materialwerte – vor allem die Feuerwehrgerätschaften – die zur Zeit wohl sicher nicht zu ersetzen sind, langsam aber sicher zu Grunde gehen. Ganz zu schweigen von dem Schaden, den das Gebäude selbst erleidet. Zur beschleunigten Behebung dieser Missstände, die wohl am besten durch persönliche Augenscheinnahme in ihrer vollen Auswirkung festgestellt werden können, stelle ich hiermit Antrag auf vordringliche Behandlung und umgehende Verbescheidung des Baugesuches der Gemeinde Rauenberg.“ Der Bürgermeister wandte sich auch hilfesuchend an den Kreisfeuerwehrführer Ziegler. Das Gemeindeoberhaupt wies darauf hin, dass das Dach des Gebäudes wegen Baufälligkeit bereits vor Monaten abgenommen werden musste, so dass Wasser in das Spritzenhaus eindringt und bei den „Feuerwehrgeräten seine zerstörende Wirkung ausüben kann“. Es wurde bemängelt, dass das erforderliche Baumaterial zur Renovierung des Spritzenhauses nicht beschafft werden konnte. Der geplante Umbau kam allerdings nicht zur Ausführung – insbesondere wegen der fehlenden Baumaterialien. Die Gemeinde entschloss sich später zu einem Neubau. Das Vorhaben bedurfte noch der Zustimmung der Zigarrenfabrik P.J. Landfried, denn diese hatte das Baugrundstück der Gemeinde Rauenberg im Jahre 1925 zweckgebunden für einen Rathausbau veräußert.

Umzug in das Kelterhaus

Die Feuerwehrunterkunft wurde aufgegeben, nachdem die Gemeinde das im Jahre 1949 von der Winzergenossenschaft Rauenberg erstellte Kelterhaus in der Hauptstraße bei der Angelbachbrücke (später evangelisches Gemeindehaus und heute im Privatbesitz) erworben hatte. Aus einem ursprünglichen „Spritzbrühenhaus“ wurde somit ein „Spritzenhaus“. Bezugsfertig war das Gebäude 1974. Vorausgegangen waren viele Diskussionen um Alternativen. Planungen gab es auch für den Ausbau des Gerätehauses beim Rathaus. Das Anwesen diente später gemeinsam als „Haus der Helfer“. 1979 hat das DRK ein Einsatzfahrzeug erhalten und beanspruchte eine Unterstellmöglichkeit auf dem Grundstück der Feuerwehr. Das Gebäude wurde grundlegend renoviert. Neue Tore und eine Heizung wurden eingebaut, ferner eine Funkantenne installiert.

Feuerwehrhaus in der ehemaligen Kelterhalle

Neue Bleibe im „Hohenaspen“

Erster Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus am 2. Januar 1990

Im April 1991 hatte Kommandant Walter Holzwarth wohl eine der angenehmsten Aufgaben: Er konnte von Bürgermeister Werner Kummer den Schlüssel für ein neues Gerätehaus im Gewerbegebiet „Hohenaspen“ übernehmen. Das DRK Rauenberg war in diesem Gebäude ebenfalls integriert, sodass sich das Objekt insgesamt wieder als „Haus der Helfer“ präsentierte. Die ersten Planvorstellungen für eine optimale Unterkunft der Freiwilligen Feuerwehr wurden 1986 entwickelt, als ein neuer Gerätewagen-Gefahrgut und ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 angeschafft wurden. Während der Gerätewagen-Gefahrgut zunächst im Feuerwehrhaus Wiesloch untergestellt wurde, fand das LF 16 bei der Winzergenossenschaft Rauenberg und bei der Schlosserei Menges in Rotenberg eine „vorläufige Bleibe“. Im Dezember 1988 hat dann der Gemeinderat mit einem Beschluss für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses die entsprechenden Weichen gestellt. Es wurde ein Raumprogramm entwickelt, Besichtigungsfahrten vorgenommen, um letztlich eine ausgewogene Planung zu erreichen. Der Gemeinderat hat dann im Oktober 1989 den Auftrag für einen schlüsselfertigen Neubau an die Firma Hering-Bau, Burbach, erteilt. Schon am 2. Januar 1990 erfolgte der erste Spatenstich und damit der Baubeginn. Von dem über 2.400 m² großen Grundstück sind 632 m² überbaut. Das Gebäude selbst enthält Gesamtflächen von 832 m², wovon 90 % auf Nutz- und 10 % auf Verkehrs- bzw. Funktionsflächen entfallen. Allein die Fahrzeughalle mit ihren vier großen und zwei kleineren Stellplätzen hat eine Fläche von 325 m². Im Erdgeschoss befinden sich neben den Umkleide- und Sanitärräumen auch die Funkzentrale, eine Atemschutzwerkstatt mit Kompressor zum Füllen der Pressluftatmer, eine kleine Werkstatt, ein Besprechungsraum sowie Lager- und Büroräume. Im 1. Obergeschoss sind der große Lehrsaal, der Jugendraum, ein Raum für das DRK und die Küche. Der gesamte Gebäudekomplex mit dem DRK-Trakt erforderte Finanzmittel von 1,86 Mio. DM, wobei rund 1,6 Mio. auf die Einrichtungen der Freiwilligen Feuerwehr entfallen. Nach Abzug der Zuweisungen musste die Stadt selbst rund 1,1 Mio. DM finanzieren. Die Folgekosten für den Neubau werden aus dem laufenden Haushalt der Stadt Rauenberg bestritten. Auf die Feuerwehrabgabe konnte dabei nur einige Zeit zurückgegriffen werden, denn diese wurde ja 1995 abgeschafft. Wie bereits erwähnt, betrug der Abgabesatz zuletzt 60,- DM bei Jahreseinnahmen von rund 86.000,- DM. Eher gering sind die Entgelte an die Freiwillige Feuerwehr für kostenpflichtige Einsätze. Im November 1996 hat der Gemeinderat eine entsprechende Satzung über die Kostenersatzpflicht beschlossen, sofern die Einsätze nach dem Feuerwehrgesetz nicht unentgeltlich sind.

Löschwasserversorgung

Nach einem Situationsbericht von 1943 galt folgendes:

Die Hauptlöschwasserstellen bilden in unserem Ort der Waldangelbach, der das Unterdorf in zwei Teile schneidet und somit als Brandweiher anzusprechen ist. Mit der Motorspritze und deren Schlauchleitungen ist daher der Bach immer gut zu erreichen. Der Wasserstand ist durchschnittlich mit 80 cm ausreichend. Um das Oberdorf besser mit Brandwasser versorgen zu können, haben wir ein Ansuchen an die Firma P.J.Landfried gestellt, die hier eine eigene Wasserleitung für ihre Fabrikgebäude besitzt, zwei Anschlussstellen in der Landfriedstraße erstellen zu dürfen. Die Firma hat dies in Anbetracht der schlechten Brandwasserversorgung im Oberdorf zugegeben. Anmerkung: Ein Hydrant für die Wasserleitung der Firma Landfried bestand bei der Milchsammelstelle in der Landfriedstraße. Nach Herstellung der öffentlichen Wasserversorgungsanlagen und dem Anschluss der Gemeinde Rauenberg an den Zweckverband „Wasserversorgung Letzenberggruppe“ mit Sitz in Malsch (ZWL) wurde die Löschwasserversorgung wesentlich verbessert. Der ZWL hat in seinen Hochbehältern genügend Kapazitäten, um ausreichend Löschwasser bereitzustellen. Für die „Höfe am Sträßel“ besteht allerdings eine besondere Löschwasservorhaltung in Form eines unterirdischen Wasserbehälters.

Geräte & Ausstattung

Nach der Vereinsgründung erfolgte eine komplette Ausstattung der Wehrmänner mit Uniformen. In regelmäßigen Abständen wurden insbesondere gummierte Schläuche, Schiebeleitern, Stahlleitern und Hakengurte, Abzeichen und Achselstücke bestellt. 1939 gab es erstmals ein Martinshorn. Zu Beginn des Jahres 1939 ist folgender Bestand verzeichnet:

1 Druckspritze, 1 Schlauchwagen, 2 Ausziehschiebeleitern, 4 Steigleitern (klein), 3 Steigleitern (groß), 4 Pechständer, 150 m C-Schlauch. Stärke der Wehr: 20 Mann. Die Kolbendruckspritze in Handbetrieb hatte das Baujahr 1862 vorzuweisen. Ein Großbrand am 6.11.1939 war Auslöser für die Neuanschaffung von Löschgegenständen. 1949 war die Errichtung eines Schlauchturmes geplant. Es wurde jedoch nur ein Mast zum Trocknen der Schläuche hinter dem Rathaus aufgestellt. 1950 wurde eine Heustocksonde angeschafft und beim vorhandenen TSA (Tragkraft-Spritzenanhänger) wurde die Eisenbereifung gegen eine Luftdruckbereifung ausgewechselt. In den 50er Jahren, Rauenberg hatte inzwischen über 2.600 Einwohner, wurden verstärkt Investitionen für Löschgeräte getätigt. 1955 stellte die Wehr den Antrag zum Erwerb einer neuen Spritze, Kosten rund DM 4.000,-.

Ein Fuhrpark entsteht….

Nachdem 1963 das erste Löschgruppenfahrzeug angeschafft wurde, hatte man im Laufe der Zeit Atemschutzgeräte und auch Funkgeräte nach und nach auf dem Fahrzeug verlasten können. Ein Schlauchanhänger und eine Anhängeleiter AL18 wurden ebenfalls angeschafft. Anfang der 1980er wurde ein Tanklöschfahrzeug auf einem Unimog Fahrgestell erworben. Somit konnte auf ein Fahrzeug mit 1800 Litern Löschwasser zurückgegriffen werden.

Den größten Wandel bzw. die größte Erweiterung erfuhr die Rauenberger Wehr Anfang der 1990er Jahre. Nachdem der Umweltschutzzug in Rauenberg und Wiesloch angesiedelt wurde, kamen die meisten technischen Veränderungen und die Ausrüstung wurde erweitert. Das vorhandene Löschgruppenfahrzeug LF 8-TS wurde 1990 durch ein Löschgruppenfahrzeug LF16/12 ersetzt, das auch über einen hydraulischen Rettungssatz (Rettungsschere/ Spreizer) verfügte. Als 1991 das neue Feuerwehrhaus bezogen wurde, wurde auch der Gerätewagen-Gefahrgut in Rauenberg beheimatet (zuvor bei FFW Wiesloch). Ein Mannschaftstransportwagen fand ebenfalls Platz im damaligen neuen Feuerwehrhaus. 1995 wurde der Fuhrpark erneut erweitert, indem ein Range-Rover in Eigenleistung zum Feuerwehrfahrzeug ausgebaut wurde und als ELW bzw. Gerätewagen mit Messtechnik eingesetzt wurde, dieser wurde dann im Jahre 2000 durch einen Kommandowagen ersetzt. Den damaligen Mannschaftstransportwagen baute man zu einem Einsatzleitwagen um. Im Jahre 2002 wurde das Löschfahrzeug LF8-TS von der Abteilung Malschenberg übernommen.

Mit dem Feuerwehrbedarfsplan hatte man eine neue Ausrichtung des Fuhrparkes angedacht und im Jahre 2009 ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20/20 auf einem MAN Fahrgestell vom Aufbauer Magirus angeschafft. Dieses Fahrzeug verfügte ebenfalls über einen hydraulischen Rettungssatz, Arbeitsbühne und Mehrzweckzug. Dafür wurden das LF8-TS und das Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 außer Dienst gestellt. 2011 ersetzte man den Einsatzleitwagen durch einen neuen Mannschaftstransportwagen VW Crafter mit erweiterter Funkausstattung. Im Jahre 2017 wurde das Konzept des Gefahrstoffzuges (zuvor Umweltschutzzug) etwas angepasst und der Gerätewagen-Gefahrgut wurde durch einen Gerätewagen-Transport ersetzt. Die letzte Ersatzbeschaffung war ein Löschgruppenfahrzeug LF10 auf einem MAN-Fahrgestell mit dem Aufbau der Firma Schlingmann im Jahre 2023.

Die Weiterentwicklung der Uniformen…

Ende der 90er Jahre gab es vom Land Baden-Württemberg ein Förderprogramm für die Beschaffung einheitlicher Uniformen im Land Baden-Württemberg. Der sogenannte „Jäger 90“ wurde in Rauenberg als neue Einsatzkleidung eingeführt. Diese ersetzte die graugrüne Uniform mit orangefarbenem Koller, die zuvor Jahrzehnte lang im Einsatz war und eher einer Arbeitskleidung ähnelte (siehe Seite 43). Die neuen Uniformen stachen durch ihre auffällige orangene Farbe mit silbernen Reflexstreifen hervor. Ab dem Jahre 2007 stellte man dann nach und nach auf eine dunkle Uniform um, die den neuesten Normen entsprach, denn auch bei den Einsatzuniformen hat sich im Bereich der Normen, insbesondere zur Brandbekämpfung einiges geändert. Heute trägt die Feuerwehr Rauenberg eine Einsatzuniform nach neuster Norm. Darüber hinaus führte man auch neue Ausgehuniformen mit Hemd und Krawatte sowie eine Tagdienstkleidung ein.

Das erste Löschfahrzeug

Ein wichtiges Datum in der Chronik der Rauenberger Feuerwehr ist der 5. September 1963: An diesem Tag konnte nämlich das erste Löschfahrzeug bei der Feuerwehrgerätefabrik der Gebrüder Bachert in Bad Friedrichshall abgeholt werden.

Die Herstellungszeit betrug fast ein Jahr. Stolz und erfreut waren die Wehrleute unter ihrem jungen Kommandanten Karl Eisenlohr, als sie den nagelneuen Wagen mit seinem blitzenden Lack in Empfang nehmen konnten.

Die Zeiten, in denen der schwere Tragkraft-Spritzenanhänger mit Muskelkraft zur Brandstelle gezogen werden musste und man daher schon vor den eigentlichen Löscharbeiten außer Atem war, gehörten der Vergangenheit an.

Bei dem Fahrzeug handelte es sich um ein Löschgruppenfahrzeug mit der damaligen Bezeichnung LF 8 TS, wobei TS für die im Fahrzeug mitgeführte Tragkraftspritze stand (Anm.: Bei den anderen LF 8 wurde die Tragkraftspritze in einem Anhänger mitgeführt). Beim Fahrgestell hatte man den Mercedes, Typ LF 319, einem Borgward bzw. einem Ford FK 2500 vorgezogen, eine Entscheidung, die sich auch im Nachhinein im Hinblick auf Ersatzteillieferungen als richtig erwies. Der Kaufpreis des Wagens betrug 29.906,35 DM. Das Fahrzeug bewirkte bei den Übungen einen gewaltigen Motivationsschub und bewährte sich in den folgenden Jahren bei zahlreichen Einsätzen. Selbst im gemeinsamen Umweltschutzzug Rauenberg/WiesIoch fuhr das Fahrzeug in dessen ersten beiden Jahren mit. Erst im Jahr 1989 wurde es durch das neue LF 16 ersetzt, nachdem man ihm allerdings ab 1982 mit der Indienststellung des Unimog-Tanklöschfahrzeugs (siehe Seite 39) „etwas mehr Ruhe verordnet hatte“.

Doch auch nach 1989 wollte man auf den liebgewonnenen Veteranen keineswegs verzichten. Bis zur Beschaffung eines Mannschaftswagens musste die „Emma“, wie der Wagen fortan genannt wurde, diese Funktion mit übernehmen, wobei sie gleichzeitig als Gerätewagen fungierte. Insbesondere die Jugendfeuerwehr profitierte von dem Oldie, der sie sicher zu Wettkämpfen, Übungen und ins Zeltlager brachte. Die gute Pflege, die man ihmangedeihen lässt, ermöglicht es, dass das Fahrzeug noch heute im Jahre 2025 fahrtüchtig ist.

Das Fahrzeug ist bis heute (Stand April 2025) repräsentativer Bestandteil der Rauenberger Feuerwehr.
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